Kambodscha Winter 2006/2007

Battambang, Angkor Borai, Bamboo Train und Motorradtour auf den Bokor Mountain
Um Zeit zu sparen, lassen wir uns direkt vom Flughafen in Bangkok mit dem Taxi nach Aranyaprathet zur Grenze nach Kambodscha bringen. Das Visum gibt es direkt an der Grenze. Man braucht definitiv keine "Hilfe". Pass abgeben, 20 Dollar hineinstecken, 15 Minuten später ist der schillernde Aufkleber im Pass. Poipet ist die Grenzstadt auf der kambodschanischen Seite, Aranyaprathet gegenüber. Beide Städte haben den üblichen Charm aller Grenzorte, niemand möchte hier bleiben, alles ist nur auf Kommerz ausgerichtet. Wieder fahren wir die grausame RN 5 in Richtung Siem Reap / Angkor, biegen jedoch diesmal in Sisophon ab nach Süden und folgen ihr bis Battambang. Reserviert hatten wir im Hotel Angkor für zwei Nächte. Battambang ist die Verwaltungshauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt etwa 290 Kilometer nordwestlich von Phnom Penh. Die Umgebung soll reizvoll sein in dieser "Reisschüssel" des Landes. Und wir möchten unbedingt mit dem "Bamboo Train" Fahren. Das schöne in Asien ist, man muss sich keine Gedanken darüber machen, wie man an einen Führer oder ein Taxi kommt. Man stellt sich einfach an den Strassenrand. Es dauert garantiert keine fünf Minuten und es hält irgend jemand mit seinem Moped, der fragt: "Taxi?"
So war es auch diesmal. Nach unserem Frühstück stellten wir uns einfach auf die Strasse. Es hielt ein sympathischer Kerl, der auch noch ganz gut englisch sprach. Wir handelten den Preis für die Tour aus, der Knabe rief per Handy noch einen Kumpel und los ging es. Unser erster Stop war eine kleine Tempelanlage. Mit den meisten Mönchen kommt man sehr gut ins Gespräch, da diese darauf aus sind, ihr Englisch zu trainieren. Tempel in der Nähe von Battambang Tempel in der Nähe von Battambang Es ist viel besser, ein Moped mit Führer zu mieten, als selbst zu fahren. Niemals würden wir diese ganzen kleinen Wege finden. Zwar ist es eine Naturstrasse, alles ist aber blitzblank sauber. Dass die "Langnasen" natürlich erst einmal in Augenschein genommen werden müssen, ist klar.
Eigentlich sollten sie doch aber hier sein ... ... oder vielleicht hier Immer wieder sagen wir den Fahrern, dass sie für einen kurzen Stop anhalten sollen... Einen Schmiedehammer habe ich mal bei uns in Deutschland gesehen, bei meinem Metallpraktikum. Der war ungefähr zehn Meter hoch, wog mehrere Tonnen und wurde hydraulisch betrieben. Über Nebenstrassen fahren wir in Richtung der ersten "richtigen" Sehenswürdigkeit ... ... dem Phnom (Berg) Sampou. Mit 154 m Höhe ist er bereits von weitem sichtbar.
Hat man die 700 Stufen erst einmal geschafft, kann man oben auf dem Berg zwei Pagoden besichtigen... ... und hat einen grandiosen Ausblick auf die Reisfelder um Battambang und die schroffen Karsthügel Richtung Pailin. Noch einmal heißt es Stufen steigen - diesmal jedoch nur 300 - um zum Prasat Banan, einem Bergtempel aus dem 11. Jahrhundert zu gelangen. Auf dem Gipfel befindet sich ein künstliches Plateau mit 40 x 60 Metern und fünf Türmen. Es existiert eine Bahnstrecke von Phnom Penh nach Battambang. Allerdings wird diese aufgrund des vollkommen desolaten Zustandes der Gleiskörper und des noch desolateren Zustendes der Waggons kaum genutzt - zumindest offiziel. Inoffiziell gibt es den "Bamboo Train". Man nehme 2 Achsen... ... so etwas, wie ein Bettgestell ...
... das Bettgestell kommt auf die Achsen ... dann holt man noch einen Wasserpumpenmotor ... ... fertig. Jetzt kann belden werden. Tatsächlich Gegenverkehr Es wird verglichen, welcher "Waggon" schneller und einfacher entladen werden kann, der wird demontiert, der andere fährt vorbei, gemeinsam setzen sie den ersteren wieder zusammen und weiter geht die Fahrt. Was denn sei, wenn der richtige Zug käme, fragte ich. "Den sieht man schon weit vorher, so qualmt der und ist so langsam, da kann man bequem noch abbauen" war die Antwort. Ob es denn so etwas, wie den Bamboo Train auch bei uns gäbe. Unwillkürlich musste ich an die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke München-Nürnberg denken und verneinte. Zusammen mit 7 (!) weiteren Passagieren fuhren wir in einem klapprigen Pkw am nächsten Tag weiter nach Kampong Chhnang am südlichen Ende des Tonle Sap Sees.
Ein nettes Städtchen, das für uns jede Menge "Aha- Erlebnisse" offen hielt. Doch erst einmal besuchten wir die Imbissstände am  Ufer des Tonle Sap Flusses. Kampong Chhnang Immer wieder bot die große Leinwand Neues. Den Fluss entlang findet man diverse Lagerhäuser... ... und den Hafen. Hier wird das Eis für die Fische aus dem Tonle Sap gehackt.
Kampong Chhnang - Hafen Wir buchen ein Boot und lassen uns alles näher zeigen. Überall liegen überdachte Flöße, welche die Fisch unmittelbar vor Ort verarbeiten. Versorgt werden die Arbeiter über diese schwimmenden Läden. Ein besonders ausgeklügeltes System konnten wir auf der anderen Seite der kleinen Landzunge sehen. Mit der Ströhmung werden die Fische wie durch einen Trichter in diese Schleuse geleitet... ... und dann einfach mit Wasserdruck über ein Rohr in das wartende Boot geschleudert.
Kampong Chhnang - Hafenrundfahrt Bereits am nächsten Abend sitzen wir an einer unserer Lieblingsstellen in Phnom Penh, am Ufer des Boeng Kak Sees, und genießen bei einem Bier und gutem Essen den Sonnenuntergang. Bereits von Deutschland aus hatten wir für eine Woche eine Enduro reserviert. Der Laden macht einen sehr vernünftigen Eindruck. 10 US$ pro Tag sind der Standardpreis. Letztes Jahr hatten wir es in Kampot versucht, da gab es jedoch keinen offiziellen Verleih. Vielleicht ist das heute anders. "Altbau" in Phnom Penh Phnom Penh - Riverfront Wir wollen nach Süden auf den Bokor Mountain und weiter nach Sihanouk Ville, machen aber erst einmal eine kleine "Probefahrt" in die Region um Phnom Penh. Eine Fähre führt zur Insel, die für die Herstellung von Stoffen bekannt ist.
Für die Touris wird dann eigens der Webstuhl "angeschmissen" Zwar sieht man jetzt schon immer häufiger größere Motorräder, sprich 250er, nicht nur die kleinen Honda Dream, zwei Langnasen auf so einer Kiste fahren dann aber doch nicht alle Tage über die Insel. Lachende, winkende Kinder an jeder Ecke. Und hier werden die Fäden gesponnen. Ein altes Fahrrad umgedreht, die Reifen von den Felgen, fertig. Mekong Island Einmal rund um die Insel führt uns unsere Tour. Die Unterkünfte der Menschen sind meist sehr einfach. Mal abgesehen von diesem "Scheinestall" aber immer blitzblank sauber.
Sollte mal was kaputt gehen, wird man hier fündig. Chaotische Lagerhaltung nennt man so etwas glaube ich. Unsere Fahrt führt uns weiter die RN 2 hinunter nach Süden in das kleine Städtchen Takeo. Direkt am Rande eines weiten, in der Regenzeit komplett überspülten Reisanbaugebietes, finden wir ein sehr schönes Hotel, von dem aus wir noch am selben Nachmittag eine Bootstour nach Angkor Borei machen. Über ein genial ausgebautes Netz von Kanälen wurden Waren von Angkor Borei bis zum Meer und wahrscheinlich weiter bis nach Indien verschifft. Von Touristen wird diese Region kaum besucht. Bokor liegt auf einem Hochplateau am 1080 Meter hohen Phnom Popok "Berg, um den die Wolken kreisen" im Elefantengebirge. Auch in der heißen Jahreszeit war es dort angenehm kühl. Früher war Bokor daher ein elitärer Ferienort für reiche Kambodschaner und Franzosen die hier in Luxushotels und Kasinos Erholung suchten. Die Straße hinauf ist zwischenzeitlich in fast dem gleichen Zustand, wie die Gebäude - verfallen. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Gegend abseits der Strasse noch aus der Zeit des Pol Pot Regimes vermint sein soll und man tunlichst auf den ausgebauten Wegen bleiben solle. Ich frage mich, wie man überhaupt von diesen Wegen in den dichten Dschungel kommen soll. Die Vegetation links und rechts der Strasse ist, wie eine Wand. Bereits letztes Jahr besuchten wir die Provinzhauptstadt Kampot und das benachbarte Kep. Eine der schönsten Regionen Kambodschas.
Zum Abschluss unserer Reise wollen wir noch ein paar Tage am Meer verbringen. Den Strand von Kep kann man getrost vergessen und so fahren wir weiter in das etwa einen halben Tag entfernte Sihanouk Ville. Hier mündet die RN 3 in die RN 4. Der Ort ist ein einziges Dreckloch. Links und rechts der Hauptstrasse ziehen sich über zwei Kilometer Verkaufsstände, Geschäfte und Restaurants. Veal Rean Sihanouk Ville oder Kompong Som ist der einzige Küstenabschnitt Kambodschas, der echtes Touristenpotenzial besitzt. Das Queens Hill Resort ist unsere Bleibe für die nächtsen Tage. Die Anlage befindet sich auf einem kleinen Hügel, direkt am Meer. Von der Terrasse aus haben wir einen traumhaften Blick über das Meer. Besonders gefällt uns der schöne Christbaum. Wir überlegen, ob das kommende Weihnachten nicht etwas für uns wäre - nadelt garantiert nicht ...
Einer der wenigen erschlossenen Nationalparks in Kambodscha. Für uns nicht nachvollziehbar, dass wir so gut wie keinem anderen Touristen begegnen - weder Asiaten noch Europäern. Auf dem Weg nach Phnom Penh biegen wir in Kompong Speu von der ätzenden RN 4 ab, um über Nebenstrassen zur Hauptstadt zu fahren. Wir landen in einem Gewirr von Naturpisten, passieren ein Dorf nach dem anderen und haben bald überhaupt keinen Plan mehr, wo wir eigentlich sind. ... statt dessen landen wir auf einer zig Kilometer langen Strassenbaustelle und sehen jetzt endgültig aus, wie die Schweine. Es gibt Fixsterne in fast jeder Stadt, in Phnom Penh ist es definitiv das La Croisette. 2005 Hatten wir dort unser erstes Bier in der Hauptstadt getrunken. Abends um 10 ließen wir uns durch vollkommen menschenleere Strassen mit einem Cyclo zurück in unser Hotel bringen. Die Zeiten ändern sich. Cyclos, die Fahrradtaxis, gibt es nicht mehr, auch nachts um 10 ist an der Riverfront noch Stau aber die Couch im La Croisette mit Blick auf das Treiben, die gibt es noch. Honda 250 Baja - Klasse Motorrad, gibt's bei uns leider nicht, zumindest nicht so. Hat viel Spaß gemacht.